RTS Unternehmertalk mit Fabian Knirsch
Shownotes
Carmen Aichinger spricht mit Fabian Knirsch, Gründer und Geschäftsführer von sproof.
2019 gründete Fabian gemeinsam mit Clemens Brunner und Erich Höpoldseder das Unternehmen sproof in Salzburg. Ausgangspunkt war eine einfache Frage: Warum müssen Unterschriften noch immer kompliziert, langsam und teilweise sogar extrem teuer sein, wenn sie längst digital und rechtssicher möglich sind?
Im RTS Unternehmertalk erzählt Fabian, wie aus dieser Idee ein Unternehmen mit mittlerweile mehr als 20 Mitarbeiter:innen und Standorten in Salzburg und Wien entstanden ist.
Themen dieser Folge sind unter anderem:
- Wie aus einer 10.000-Euro-Unterschrift die Idee zu sproof entstand
- Digitale und rechtssichere Signaturen in Europa
- ID Austria und die EUDI-Wallet
- Warum europäische Datensouveränität immer wichtiger wird
- Wie sproof Prozesse bei der Salzburg AG digitalisiert
- Digitale SEPA-Mandate und weniger Papier
- Warum Digitalisierung auch für weniger technikaffine Menschen funktionieren muss
- Der Weg vom Informatiker und FH-Professor zum Unternehmer
- Wachstum von drei Gründern zu einem Team mit mehr als 20 Mitarbeiter:innen
- Mitarbeiterführung, Motivation und schwierige Personalentscheidungen
- Warum Vertrauen und persönlicher Support im B2B-Bereich entscheidend sind
- Welche Rolle die FH Salzburg und Startup Salzburg bei der Gründung spielten
Ein Gespräch über Digitalisierung, Unternehmertum und die Frage, wie Europa seine digitale Zukunft selbst gestalten kann.
Transkript anzeigen
00:00:09: Wir sprechen hier mit Menschen, die Lösungen für Herausforderungen entwickeln,
00:00:13: die uns im Alltag oft gar nicht bewusst sind,
00:00:16: die aber einen großen Einfluss darauf haben, wie wir arbeiten und entscheiden.
00:00:21: Denn gerade in einer zunehmend digitalen Welt wird Vertrauen neu gedacht.
00:00:26: Wie unterschreiben wir Verträge? Wie sichern wir Prozesse ab?
00:00:30: Und wie einfach kann das eigentlich sein?
00:00:33: Heute haben wir einen Gast, der genau an diesen Themen arbeitet.
00:00:38: Mit sproof entwickelt er Lösungen für digitale Signaturen
00:00:41: und trägt damit dazu bei, Prozesse nicht nur effizienter, sondern auch sicherer zu machen.
00:00:47: Lieber Fabian Knirsch, schön, dass du heute bei mir bist.
00:00:51: Vielen Dank für die Einladung.
00:00:53: Sehr gerne. Was macht sproof genau?
00:00:56: Ich möchte mit einer Geschichte starten, die das, glaube ich, ganz gut zeigt.
00:01:00: Wir haben sproof vor über sieben Jahren gegründet.
00:01:04: Und vor der Gründung hat uns jemand erzählt, dass eine Unterschrift 10.000 Euro gekostet hat.
00:01:10: Und wir haben uns gefragt, wie kann das sein? Was ist da passiert?
00:01:13: Und es war tatsächlich so, dass ein Geschäftsführer unterschreiben musste.
00:01:18: Und das war so dringend und so wichtig, dass er einen Privatjet gemietet hat,
00:01:23: um irgendwo hinzufliegen und dort die Unterschrift zu leisten.
00:01:26: Und da haben wir uns gedacht, das geht doch digital.
00:01:29: Man kann digitale Unterschriften rechtssicher machen. Und da ist sproof entstanden.
00:01:35: Also ihr macht digitale Signaturen sozusagen, auf schnellen Wegen, die nicht 10.000 Euro kosten.
00:01:41: Wir digitalisieren Prozesse, wir reduzieren Papier überall, wo es darum geht,
00:01:48: dass ich eine Unterschrift setze, dass mehrere Personen unterschreiben,
00:01:51: dass ich vielleicht meine Kunden und Lieferanten unterschreiben lasse.
00:01:54: Und aber auch, wo es darum geht, dass ich Identitäten feststelle.
00:01:59: Also dass ich weiß, mit wem habe ich es zu tun. Das können wir digitalisieren.
00:02:03: Da geht es auch viel um die, wie sagt man, zum Beispiel wie bei der ID Austria.
00:02:11: Das ist auch so eine Sache, wo ihr dran seid.
00:02:13: Genau, die ID Austria ist ja in Österreich so eine digitale Identität für Bürgerinnen und Bürger.
00:02:20: Und die kann man nutzen, um damit eben rechtsgültige Unterschriften zu erstellen.
00:02:26: Und wir machen das eben europaweit.
00:02:28: Das heißt, wir haben europaweit diese digitalen IDs, diese E-IDs angebunden.
00:02:33: Und damit können wir eben grenzüberschreitend in der ganzen EU und darüber hinaus elektronisch signieren.
00:02:41: Das ist echt praktisch. Spart uns viel Zeit und eben auch den Papierkram.
00:02:47: Das ist enorm, ja. Weil man muss ja bedenken, oft unterschreiben mehrere Personen.
00:02:52: Und wir haben auch Kunden, die über mehrere Standorte verteilt sind.
00:02:56: Wir haben internationale Konzerne als Kunden, die jetzt nicht nur in Österreich oder Europa sind,
00:03:00: sondern teilweise auch in Südamerika oder Asien Niederlassungen haben.
00:03:04: Und die können eben in Sekundenschnelle ihre Prozesse damit digitalisieren.
00:03:10: Wie macht ihr das? Wie baut ihr solche digitalen Systeme auf?
00:03:16: Wir haben ein Softwareentwicklungsteam. Wir haben einen Standort in Salzburg.
00:03:21: Wir sitzen in Puch im Wissenspark, direkt neben der Fachhochschule Salzburg.
00:03:25: Wir haben mittlerweile auch ein Büro in Wien und haben da ein sehr, sehr motiviertes und engagiertes Team,
00:03:32: das da wirklich tolle Softwarelösungen baut, auf die wir sehr, sehr stolz sind.
00:03:37: Wie lange dauert das, bis man so von der Idee bis zur Umsetzung sowas baut?
00:03:43: Wir haben das Unternehmen ursprünglich 2019 gegründet.
00:03:47: Wir waren drei Gründer, der Clemens Brunner, der Erich Höpoldseder und ich.
00:03:52: Und ganz am Anfang haben wir das selbst entwickelt.
00:03:54: Wir sind immer am Abend bis weit in die Nacht hineingesessen und haben entwickelt.
00:04:00: Mittlerweile sind wir über 20 Personen, haben ein super Team,
00:04:04: haben wirklich sehr, sehr gute Softwareentwicklerinnen und Softwareentwickler.
00:04:08: Und unser Produkt wird ja laufend weiterentwickelt.
00:04:10: Das ist quasi fertig, kann verwendet werden, aber wir haben immer neue Ideen und Funktionen, die wir dazu bauen.
00:04:17: Ist wahrscheinlich auch kundenabhängig, was der braucht.
00:04:21: Genau, es verändert sich der Markt natürlich, es verändern sich unsere Kunden.
00:04:27: Und dementsprechend schauen wir, dass wir immer das Beste für sie liefern.
00:04:31: Ihr habt ja für die Salzburg AG auch diesen ganzen Signaturen-Kram entwickelt.
00:04:38: Wie ist das abgelaufen?
00:04:41: Ursprünglich hat Salzburg AG eine Lösung ausgeschrieben.
00:04:44: Die wollten diese Prozesse digitalisieren.
00:04:46: Wir haben da teilgenommen und konnten uns vor allem dadurch durchsetzen,
00:04:51: weil wir die Anbindungen in ganz Europa haben.
00:04:57: Mittlerweile in der EU sind ja nicht alle Kunden Österreicherinnen und Österreicher,
00:05:01: sondern sind ja auch sehr international.
00:05:04: Und gleichzeitig auch, weil wir wirklich eine Lösung sind,
00:05:08: die auf europäische Souveränität, auf den europäischen Rechtsrahmen setzt.
00:05:12: Und das war ihnen sehr, sehr wichtig.
00:05:14: Und da freut es uns sehr, dass wir den Zuschlag bekommen haben damals.
00:05:17: Und wo kommt ihr jetzt da ins Spiel?
00:05:20: Wir kommen bei zwei verschiedenen Anwendungsbereichen ins Spiel.
00:05:24: Das eine ist wirklich im Unternehmen alles, was unterschrieben wird.
00:05:27: Also so vom Freigabeprozess, Anträge, Bestätigungen, IT-Richtlinien.
00:05:34: Das ist wirklich alles, was man so in einem großen Unternehmen jeden Tag unterschreiben muss.
00:05:38: Und der zweite sehr, sehr spannende Anwendungsfall ist,
00:05:42: dass wir die SEPA-Mandate für die Kundinnen und Kunden digitalisiert haben.
00:05:46: Also es funktioniert eben so, wenn ich einen Vertrag mache bei der Salzburg AG,
00:05:50: dann kann ich ein SEPA-Mandat abgeben.
00:05:52: Also dass meine monatliche Gebühr automatisch abgebucht wird.
00:05:55: Und dafür braucht es eine Unterschrift und es geht ja dann an die Bank weiter,
00:05:59: dass die eben diese Abbuchung durchführen dürfen.
00:06:01: Und genau diesen Prozess, eben ich fülle meine Kontodaten aus
00:06:05: und ermächtige sozusagen die Bank oder die Salzburg AG, diese Abbuchung zu tätigen,
00:06:10: den haben wir digitalisiert.
00:06:12: Das ist extrem spannend, weil es eben zu den Endkundinnen geht.
00:06:15: Also das ist ja nicht nur im Unternehmen,
00:06:17: sondern wirklich zu den einigen hunderttausenden Endkundinnen und Kunden in ganz Salzburg.
00:06:23: Ja, so sieht es aus.
00:06:25: Also eigentlich habe ich dann auch schon mit eurem Digitalisierungsmodul sozusagen gearbeitet.
00:06:31: Genau, also wenn man einen Vertrag abschließt oder ein SEPA-Mandat ausfüllt,
00:06:36: dann kommuniziert das über uns.
00:06:38: Wie lange habt ihr gebraucht, bis ihr das umsetzungsbereit gehabt habt?
00:06:43: Unsere Lösung ist ja, wir sind ein Software-as-a-Service-Unternehmen,
00:06:47: das heißt, wir haben quasi eine standardisierte Lösung.
00:06:49: Das hat den Vorteil, dass sie eben sehr, sehr breit im Einsatz ist
00:06:52: und eben auch getestet, bewährt, zertifiziert ist.
00:06:57: Und dann ist das jetzt eben bei unseren Kunden,
00:07:00: wird das üblicherweise in ihre Systeme integriert.
00:07:02: Also wenn ich jetzt beim Kundenservice anrufe, dann wird der quasi ausgelöst,
00:07:05: dass ich sage, ich möchte ein SEPA-Mandat.
00:07:07: Dann wird da wo geklickt und dann wird das ausgelöst,
00:07:09: dass das generiert wird und an den Kunden versendet wird.
00:07:12: Und das ist natürlich schon eine Integration,
00:07:15: die dann der Kunde auch in Abstimmung mit uns machen muss.
00:07:17: Und je nach Projekt kann das Tage dauern.
00:07:21: Also wir haben Kunden, die haben das innerhalb von drei, vier Stunden integriert.
00:07:24: Bei großen und doch komplexeren Prozessen wie bei der Salzburg AG
00:07:28: dauert das natürlich Wochen oder Monate.
00:07:30: Und nicht Jahre, oder?
00:07:32: Nein, nein, auf keinen Fall.
00:07:35: Du hast das gerade vorhin ein bisschen erwähnt mit der EU-Security
00:07:40: oder mit dem Datenschutz innerhalb der EU.
00:07:44: Und da das Contra dazu, die Amerikaner,
00:07:48: das beschäftigt ja gerade wirklich viele Menschen.
00:07:51: Wie kann ich die Daten absichern, weil die Amis machen ja alles damit.
00:07:55: Wie siehst du das?
00:07:57: Ja, das ist tatsächlich ein Riesenthema momentan in Europa.
00:08:00: Also wir sehen sehr starke Bewegungen in Richtung EU-Souveränität.
00:08:04: Also das heißt einerseits, dass wirklich die Daten, die Software
00:08:08: unter Kontrolle europäischer Unternehmen sind.
00:08:11: Aber eben auch, dass die Daten Europa nicht verlassen.
00:08:15: Und das ist, glaube ich, auch mitunter das Wichtigste,
00:08:17: weil wir in Europa sehr, sehr strengen Datenschutz haben.
00:08:21: Und als Unternehmerin, Unternehmer oder als Firma ist man dafür ja auch haftbar.
00:08:27: Also wenn wir garantieren, dass wir gewisse Normen
00:08:32: europäischen Datenschutz erfüllen,
00:08:34: dann verlassen sich die Kunden, Benutzerinnen und Benutzer darauf.
00:08:38: Und deshalb ist es eben auch so wichtig, dass das garantiert ist,
00:08:41: dass die Daten in Europa bleiben und eben dieses Schutzniveau erfüllt ist.
00:08:45: Und wie schaffen wir das?
00:08:47: Oder wie weit sind wir da jetzt schon mit diesem Datenschutz,
00:08:52: dass das sicher ist irgendwie?
00:08:54: Ja, also ich kann für uns sprechen, aber natürlich auch für viele andere Unternehmen,
00:08:59: die wirklich sich auf das spezialisiert haben.
00:09:02: Wir haben beispielsweise keine Subauftragnehmer außerhalb der EU.
00:09:06: Das heißt, alle Daten, die wir im Auftrag unserer Kunden verarbeiten,
00:09:09: jetzt zum Beispiel das SEPA-Mandat, das du bei der Salzburg AG unterschrieben hast,
00:09:15: da garantieren wir wirklich, dass das in Europa bleibt.
00:09:17: Das ist in unserem Rechenzentrum in Deutschland und verlässt eben auch die EU nicht.
00:09:23: Und erfüllt alle Kriterien, also die Sicherheit, dass da niemand darauf zugreifen kann,
00:09:27: dass die Daten entsprechend gelöscht werden.
00:09:30: Und das garantieren wir.
00:09:32: Es gibt auch viele andere Unternehmen, die wirklich da sehr, sehr stark drauf setzen und dahinter sind.
00:09:37: Aber es gibt immer noch natürlich auch Lösungen, wo das nicht so ist.
00:09:43: Ja, wir sind ja da jetzt noch ein bisschen, hinken eigentlich den Amerikanern hinterher,
00:09:47: weil die sammeln ja unsere Daten irgendwie ständig ab sozusagen.
00:09:53: Was sagst du jemandem, der sagt, ich will nicht gläsern sein,
00:09:57: ich will nicht, dass die Amis alle Daten von mir mitbekommen?
00:10:02: Ja, in Europa haben wir zwei Prinzipien.
00:10:07: Das heißt Privacy by Design und Privacy by Default.
00:10:10: Also quasi Privatsphäre von vorn hinein als Teil des Prozesses mitgedacht und Privatsphäre als Standard.
00:10:17: Das heißt nicht quasi, ich sammle mal alle Daten und dann schaue, was brauche ich davon,
00:10:22: sondern umgekehrt, ich schaue, was brauche ich, was ist das minimal Notwendige für meinen Anwendungsfall
00:10:27: und nur diese Daten erhebe ich.
00:10:29: Und das sind zwei ganz, ganz wichtige Prinzipien, die europaweit auch verankert sind eben gesetzlich.
00:10:36: Und das sieht man jetzt auch bei den E-IDs, bei der ID Austria, die wir schon angesprochen haben,
00:10:42: auch in Zukunft bei der EUDI-Wallet, also dieser digitalen EU-Wallet,
00:10:46: dass diese Prinzipien ganz fest verankert sind.
00:10:49: Und das ist eben, glaube ich, das beste Argument dagegen,
00:10:53: dass ich möchte nicht meine Daten, ich möchte nicht gläsern sein,
00:10:56: weil eben sichergestellt wird, dass wirklich nur das minimale Datenset,
00:11:01: das notwendig ist, weitergegeben wird.
00:11:04: Und vielleicht ein super Beispiel da ist Altersverifikation im Internet.
00:11:09: Also ich möchte was online kaufen, wo zum Beispiel muss ich über 18 sein.
00:11:14: Dann muss ich irgendwie nachweisen, dass ich so alt bin.
00:11:18: Und jetzt gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie man das machen kann.
00:11:20: Ich kann quasi meine Ausweiskopie mitgeben, dann sieht man alles,
00:11:24: meinen Namen, mein Geburtsdatum, meine Unterschrift, mein Foto.
00:11:27: Aber eigentlich, was brauche ich? Ich brauche nur die Info für den Verkäufer.
00:11:32: Ich bin über 18. Und die europäischen Lösungen unterstützen eben genau das.
00:11:37: Das heißt, wenn ich mit meiner E-ID diese Info freigebe,
00:11:41: geht eben nur genau diese Info an den Verkäufer in dem Fall.
00:11:44: Ich bin über 18. Nicht mein Geburtsdatum, nicht mein Name,
00:11:48: sondern wirklich nur diese eine Info.
00:11:51: Ich habe das kürzlich bei LinkedIn gemacht, dass ich mich verifiziert habe.
00:11:55: Ist das da auch so oder ist das da anders?
00:11:57: Das ist anders. Die greifen auf ein Unternehmen zurück,
00:12:05: also ein Dienstleister aus den USA in dem Fall, der diese Identifikation abwickelt.
00:12:11: Und ich habe mir da mal angeschaut, was da so an Daten übertragen wird.
00:12:14: Man kann ja in die Datenschutzbestimmungen reinschauen.
00:12:16: Da steht das alles sehr transparent.
00:12:20: Und ich habe mich fast ein bisschen schockiert, muss ich sagen.
00:12:22: Weil es geht eigentlich nur darum, bei LinkedIn jetzt, dass mein Name bestätigt wird.
00:12:27: Es wird die Info reichen. Ja, ich bin die Person, die da ihren Namen hingeschrieben hat.
00:12:33: Tatsächlich wird aber alles Mögliche übertragen.
00:12:35: Also alle Daten aus meinem Ausweis, biometrische Daten.
00:12:39: Und das ist aus meiner Sicht für diesen Anwendungsfall nicht notwendig.
00:12:42: Und das könnte man besser machen.
00:12:43: Das heißt, ich habe jetzt meine ganzen Daten den Amis wieder zur Verfügung gestellt.
00:12:48: In dem Fall, ja.
00:12:49: In dem Fall, super.
00:12:51: Jetzt bin ich wieder voll motiviert.
00:12:57: Gerade die EU-Souveränität ist da jetzt gerade so richtig ein wichtiges Thema.
00:13:02: Nächstes Jahr kommt ja die EU-ID.
00:13:04: Das ist das Gleiche wie die ID-Austria, oder?
00:13:07: Wie kann ich mir das vorstellen?
00:13:08: Ja, man kann es als die Weiterentwicklung der ID-Austria sehen.
00:13:12: Also die ID-Austria ist das aktuelle System.
00:13:15: Das gibt es in Österreich, es gibt es in ein paar anderen EU-Staaten.
00:13:18: Und Ziel ist jetzt wirklich, das europaweit zu vereinheitlichen in gewisser Weise.
00:13:23: Und auch interoperabel zu machen.
00:13:25: Also dass ich wirklich in Frankreich, in Finnland, in Kroatien mit meiner ID-Austria
00:13:29: im Prinzip die gleichen Services nutzen kann wie in Österreich.
00:13:34: Wo könnte das irgendwie für mich jetzt als Nutzerin zum Tragen kommen?
00:13:39: Da wird es sehr, sehr viele Anwendungsfälle geben.
00:13:42: Als ganz klassische Behördeninteraktion.
00:13:44: Man kennt es vielleicht schon von der ID-Austria.
00:13:47: Finanzonline oder Sozialversicherung kann man damit anmelden.
00:13:51: Und die EUDI-Wallet wird da noch einen großen Schritt weitergehen.
00:13:56: Es wird mir ermöglichen, beispielsweise Dienstleistungen, die wir gerade umsetzen,
00:14:00: wenn ich einen Energievertrag abschließe, dann muss ich mich identifizieren.
00:14:05: Also dass das Gegenüber weiß, wer ich bin, wo ich wohne.
00:14:10: Und das kann ich in Zukunft zum Beispiel mit der EUDI-Wallet auch machen.
00:14:12: Also dass ich diese Daten da übertrage und mich anmelde damit.
00:14:15: Wenn ich ein Bankkonto eröffne, in Zukunft kann ich das mit der EUDI-Wallet machen.
00:14:20: Versicherungen, also überall, wo ich mich ausweisen muss, wird das möglich sein.
00:14:25: Also auch wenn ich jetzt zum Beispiel, angenommen in Kroatien unten mir eine Wohnung miete
00:14:29: und da dann einen Stromvertrag machen muss.
00:14:33: Oder kann ich dann einen kroatischen Stromanbieter das auch irgendwie so machen?
00:14:38: Genau, das ist das Ziel, dass es eben wirklich europaweit interoperabel ist.
00:14:41: Und das dann auch möglich ist.
00:14:44: Aber es soll auch so weit gehen, dass ich gewisse Ausweise oder Nachweise in meiner Wallet,
00:14:49: heißt das ja dann, also quasi digitalen Brieftasche, wenn man so will,
00:14:53: abspeichern und herzeigen kann.
00:14:56: In Österreich geht das ja schon mit dem Führerschein, kann einen digitalen Führerschein machen.
00:15:01: Es wird aber in Zukunft auch sehr, sehr viel, also es ist möglich sein,
00:15:04: dass andere Anbieter da ihre Ausweise hinterlegen können.
00:15:08: Also das kann eben ein Versicherungsausweis beispielsweise für bestimmte Anwendungsfälle,
00:15:14: solche Sachen, die habe ich dann in meiner digitalen Wallet
00:15:17: und kann die eben europaweit quasi mich ausweisen damit.
00:15:22: Es wird einfacher, genau, es wird digital, man braucht nicht mehr diesen Stapel an Plastikkarten,
00:15:27: den man mit hat und ermöglicht eben auch vor allem Unternehmen wieder, Dienstleistungen
00:15:35: sehr viel niederschwelliger anzubieten.
00:15:37: Also wenn ich jetzt ein Bankkonto eröffnen will, geht das wirklich dann mit wenigen Klicks
00:15:43: mit meinem digitalen Ausweis und damit ist das erledigt und es ist vor allem sicher und
00:15:49: eben privatsphärewahrend.
00:15:51: Ja, das ist, glaube ich, echt für viele wichtig, dass man die Privatsphäre wahren kann auch.
00:15:56: Ich glaube, das ist für die meisten in unserer Bevölkerung das Wichtigste überhaupt.
00:16:01: Genau, wir haben in Europa das wirklich auch sehr, sehr hoch angesehen, das ist wirklich
00:16:06: als fundamentales Recht auch verankert und ich glaube, dass das extrem wichtig ist.
00:16:10: Habt ihr, kommen wir mal zu euren Mitarbeitern, ihr habt jetzt ungefähr 25 Mitarbeiter und
00:16:19: Mitarbeiterinnen, wie kommt ihr zu ihnen, weil die werden nicht so genau für euch ausgebildet
00:16:25: herumschwirren.
00:16:26: Ja, wir sind ein reines Softwareunternehmen, da gibt es tatsächlich gar nicht so viel
00:16:32: jetzt in Salzburg und wir haben deshalb von Anfang an schon immer eine sehr enge Partnerschaft
00:16:38: mit der Fachhochschule Salzburg gehabt.
00:16:40: Ich muss ja sagen, mein Mitgründer, der Clemens Brunner, wir kommen ja auch aus der
00:16:44: Fachhochschule Salzburg, wir haben dort lange gearbeitet und leben diese Partnerschaft immer
00:16:49: noch, machen Sponsoring, machen Kooperationen und schauen, dass wir einfach so auch schon
00:16:55: früh talentierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewinnen können.
00:17:00: Stichwort talentierte, wie wichtig ist es, dass man in eurem Bereich talentiert ist?
00:17:05: Also ich glaube, talentiert und motiviert ist immer wichtig.
00:17:11: Es ist, wie bei allem, was man macht, wichtig, dass man Spaß dabei hat, das ist auch etwas,
00:17:16: was wir wirklich versuchen zu fördern, dass wirklich jeder, jeder bei uns eine Aufgabe
00:17:21: hat, die jetzt nicht nur dem Unternehmendienst und auch wirklich der persönlichen Weiterentwicklung,
00:17:28: wo man Spaß dabei hat und ich glaube, das ist das Wichtigste, weil wenn man Spaß hat,
00:17:33: dann macht man es gern und liefert einfach noch bessere Ergebnisse, weil man ja wirklich
00:17:38: motiviert ist, das Beste zu machen.
00:17:40: Ja, man geht vielleicht auch mal die extra Meile, oder?
00:17:43: Ja, genau.
00:17:43: Wenn es Spaß macht.
00:17:44: Ja, auf jeden Fall.
00:17:46: Ja, ich bin auch so eine Verfechterin von dem, dass jeder Mensch das arbeiten sollte, was
00:17:51: ihm Spaß macht oder wo er seine Leidenschaft auch irgendwie entwickeln oder wecken kann,
00:17:58: weil dann geht es einfach leichter.
00:17:59: Ganz genau, ja.
00:18:00: Und dann ist das Leben auch viel schöner, finde ich immer.
00:18:02: Ja, ich glaube, man sieht es dann auch nicht mehr so als Arbeit, also ich sehe es ja bei
00:18:06: mir selber, wenn ich etwas mache, wo ich richtig Spaß dabei habe, dann ist das ja nicht Arbeit,
00:18:11: sondern dann mache ich das als Leidenschaft und das ist einfach, glaube ich, viel erfüllender
00:18:17: und idealerweise macht man nur solche Sachen.
00:18:21: Apropos Leidenschaft, wie hast eigentlich du deine Leidenschaft entdeckt, wie ist dein
00:18:25: Werdegang?
00:18:26: Ja, ich habe Informatik studiert tatsächlich, das war immer schon ein Ziel von mir, also
00:18:31: ich war im Gymnasium und war für mich immer schon klar, ich muss Informatik studieren,
00:18:35: also da hat es gar keine Alternative gegeben.
00:18:37: Habe dann Bachelor, Master, Doktorat gemacht, habe mich im Doktorat dann wirklich spezialisiert
00:18:44: auch auf die Themen Privatsphäre, Sicherheit, also alles, was man rundum signieren, Identitätsfeststellung
00:18:50: auch braucht und habe dann nach meinem Doktorat angefangen an der Fachhochschule Salzburg
00:18:56: zu arbeiten, war FH-Professor für Netzwerktechnik und IT-Security und war auch in der Forschung
00:19:02: und habe dort eben den Clemens Brunner quasi kennengelernt, der ist dann nach seinem Master
00:19:09: ebenfalls an die FH gekommen, um dort zu arbeiten und hat eine Idee mitgebracht von
00:19:15: seinem vorherigen Studium und die haben wir gemeinsam weiterentwickelt und so ist dann
00:19:18: auch das Beruf entstanden.
00:19:20: Und ihr habt es 2019 gegründet, im Herbst, und ein halbes Jahr später ist ja dann der
00:19:26: Wahnsinn losgegangen.
00:19:27: Ja, genau.
00:19:27: Wie war das bei euch?
00:19:29: Ja, wir waren zu dritt, wir haben am Anfang gegründet, ich habe es ja schon erwähnt,
00:19:33: haben bis spät in die Nacht gearbeitet und programmiert und für uns war das tatsächlich
00:19:40: gar nicht so ein harter Einschnitt, weil wir haben uns schon überlegt, ja, jetzt brauchen
00:19:44: wir mal bald ein Büro, also quasi Unternehmen im Herbst gegründet und dann haben wir gesagt,
00:19:48: jetzt werden wir mal bald ein Büro brauchen und das hat sich dann erledigt gehabt, sage
00:19:51: ich mal, für eine gewisse Zeit, weil ja überall Homeoffice war und auch gar kein Bedarf mehr
00:19:56: für ein Büro dann die nächsten Monate.
00:19:59: Dadurch, dass wir aber ganz, also wir waren ein Team von drei Leuten am Anfang, das heißt
00:20:05: wenig Prozesse, wenig Etabliertes, wir haben alles gerade aufgebaut, dadurch war das für
00:20:09: uns jetzt natürlich gar nicht so ein harter Umstieg, also wir sind einfach dann alle zuhause
00:20:14: gewesen, haben alles online gemacht, alles digital von Anfang an und aus Sicht von unserem
00:20:21: Produkt war es sogar relativ gut, sage ich mal, weil sehr viel Nachfrage da war, also
00:20:27: es ist einfach dann durch das erzwungene Homeoffice, dadurch, dass die Menschen plötzlich nicht
00:20:33: mehr gemeinsam in einem Büro waren, war einfach Digitalisierung ein Riesenthema und so sind
00:20:39: auch relativ schnell unsere ersten Kunden dann natürlich zu uns gekommen, weil sie
00:20:43: gesehen haben, dass so eine digitale Lösung Potenzial hat und unmittelbar Nutzen stiftet.
00:20:47: Ja, es hat schon den Bedarf erhöht eigentlich die Pandemie, weil man gemerkt hat,
00:20:52: es hat dem schon einen Schub gegeben eigentlich.
00:20:55: Genau, ich würde sagen nicht nur den Bedarf, also das natürlich auch, aber auch einfach das
00:20:58: Bewusstsein, dass man solche Sachen digital machen kann, also ich kann mich erinnern,
00:21:02: wir sind damals im Jänner noch für ein Meeting mit einem Kunden nach Wien gefahren, also quasi
00:21:07: drei Stunden nach Wien, eine Stunde Besprechung, eine Stunde zurück, aber das war damals eigentlich
00:21:11: normal, dass man sagt, dann machen wir das online, das war einfach nicht üblich und mittlerweile ist
00:21:17: das der absolute Standard, dass man so kurze Besprechungen online macht und es ist für alle
00:21:22: einfacher und effizienter. Auch wenn man den Verkehr anschaut, man steht so viel im Stau.
00:21:29: Oder nachhaltiger natürlich, das ist sowieso. Also mir macht online auch sehr viel Spaß,
00:21:36: muss ich sagen, das kann man sich trotzdem gut, aber es ersetzt halt auch nicht das Persönliche,
00:21:42: das ist schon auch irgendwie wichtig, dass man Vertrauensgespüren kann, finde ich,
00:21:48: ganz abschaffen, glaube ich, dürfen wir das nicht.
00:21:50: Genau, ich glaube, das merkt man ja auch, also es hat sich jetzt ganz gut eingependelt,
00:21:55: eben so das Maß, wo man sagt, das machen wir online und für diese Sachen ist ein persönliches
00:22:00: Treffen wichtig und richtig. Und ich denke, da haben wir, glaube ich, ganz gut so gesellschaftlich
00:22:05: eine Balance gefunden.
00:22:07: Ja, manche, glaube ich, übertreiben es ein bisschen, die sind dann zu sehr online. Ich
00:22:12: glaube, das ist auch wichtig, dass man für sich selbst als Mensch die Balance findet.
00:22:16: Absolut, ja.
00:22:17: Wie findest du deine Balance, wenn du einen Stress hast? Hast du überhaupt Stress?
00:22:23: Ja, ich glaube, hat jeder. Es ist herausfordernd natürlich auch, so Unternehmen aufzubauen.
00:22:30: Ich bin eben sehr, sehr froh, dass wir, also der Clemens und ich, wir haben einen sehr,
00:22:36: sehr guten Austausch, haben eine super Gesprächsbasis, sind mit dem gemeinsamen Geschäftsführer
00:22:40: von sproof und schätzen das extrem, dass wir da jemanden haben, gegenseitig mit dem
00:22:45: wir sich immer austauschen, brainstormen, neue Ideen entwickeln können. Wir haben ein super
00:22:51: Team, das nimmt auch viel Last ab in gewisser Weise, aber es gibt immer neue Herausforderungen,
00:22:58: gerade als Organisation, die schnell wächst, von drei auf über 20 MitarbeiterInnen,
00:23:03: ändert sich das jeden Tag, was einen beschäftigt, aber ist natürlich andererseits auch gut. Ich glaube,
00:23:11: sonst wird es langweilig und immer neue Herausforderungen ist ja auch was Schönes.
00:23:14: Was machst du zum Ausgleich?
00:23:16: Ich bin leidenschaftlicher Segler, bin wahnsinnig gern am Wasser und genieße es extrem,
00:23:23: wenn der richtige Wind ist, ohne Handy, ohne Laptop, einfach mal eine Stunde bei absoluter
00:23:30: Stille, nur vom Wind angetrieben am Wasser zu sein.
00:23:33: Und wo machst du das?
00:23:35: Also in Mattsee.
00:23:37: Cool, ich bin auch Seglerin, aber mit zu wenig Zeit. Hast du eine SUNBEAM-Yacht?
00:23:44: Nein, ich bin beim Segelclub in Mattsee und die haben für mich wieder ganz,
00:23:50: ganz tolle Boote, die man sich ausborgen kann.
00:23:52: Das ist super.
00:23:53: Da kann man einfach mit so kleinen Booten rein.
00:23:55: Apropos Mattsee, da fällt mir gerade ein, du hast mir erzählt, in Mattsee gibt es für ältere Menschen
00:24:01: so Schulungen, wie sie mit diesen digitalen Dingen umgehen können, weil gerade für Ältere,
00:24:07: ich zähle mich auch schon zu den Älteren, ich beschäftige mich aber gern mit diesen digitalen
00:24:11: Dingen, jetzt tue ich mir relativ leicht, aber was machen wir jetzt mit 70-Jährigen,
00:24:16: die dann auf einmal irgendwie da sowas machen sollen?
00:24:20: Und da wird in Mattsee ja ein Projekt umgesetzt.
00:24:23: Genau, ich habe das gesehen in der Gemeindezeitung, im Aushang und ich habe das wirklich eine sehr,
00:24:28: sehr großartige Sache gefunden, so wie ich das verstanden habe, es ist einfach ein Angebot,
00:24:33: dass Personen, die vielleicht nicht mehr so vertraut sind mit dem Handy, mit Digitalisierung,
00:24:39: können das nutzen und werden da wirklich unterstützt, wie man damit umgeht, wie man
00:24:45: Digitalprodukte, Applikationen nutzen kann und ich finde das eben wirklich großartig,
00:24:49: dass man da auch älteren Menschen oder Personen, die nicht so vertraut sind mit dem,
00:24:54: einen Zugang ermöglicht und sie dabei unterstützt.
00:24:57: Ja, ich finde das auch wichtig, weil sonst bleibt eine gewisse Bevölkerungsgruppe,
00:25:02: bleibt dann echt auf der Strecke, wenn man sich um die nicht kümmert.
00:25:05: Genau, das ist absolut richtig und da vielleicht noch eine Ergänzung,
00:25:09: wir haben vorhin über den SEPA-Anwendungsfall gesprochen und da haben wir eben genau sowas
00:25:13: berücksichtigt, dass das eben hybrid möglich ist.
00:25:16: Also das kann als Papierdokument, quasi Papier-SEPA-Mandat ausgeschickt werden und
00:25:22: da ist ein QR-Code drauf, der führt zu der digitalen Strecke, die wir abwickeln,
00:25:25: also kann ich wirklich scannen, kann meine Kontodaten ausfüllen, unterschreiben und
00:25:29: es geht zurück, aber ich habe natürlich immer noch die Möglichkeit für ältere Personen oder
00:25:34: Personen, die nicht so digital affin sind, das mit der Hand auszufüllen und zur Post zu bringen.
00:25:38: Ich glaube, dass das eben extrem wichtig ist, da auch immer beide Wege anzubieten.
00:25:43: Ja, weil dann kann man sich dann entscheiden, was mache ich und wenn ich noch nicht so weit bin,
00:25:47: ob ich mich schon auf den Weg gemacht habe, dann ist das glaube ich eine gute Geschichte.
00:25:54: Absolut, was aber auch erstaunlich ist, wir haben den SEPA-Use Case nicht nur bei der Salzburg
00:25:58: umgesetzt, sondern auch bei vielen Gemeinden und wir haben vor zwei Jahren das erste Mal
00:26:04: bei einer Gemeinde ausgerollt, also für die Gemeindeabgaben, also quasi Müll und Wasser und
00:26:07: so und die haben das eben mit der Post, mit dem QR-Code ausgeschickt und es hat uns echt
00:26:14: überrascht, dass wir es am Freitag quasi zur Post gegeben oder am Donnerstag,
00:26:18: wann am Freitag früh quasi in den Haushalten und wir haben dann innerhalb von zwei Tagen,
00:26:24: also bis Ende Wochenende, haben wir 80 Prozent digitalen Rücklauf gehabt.
00:26:28: Also da sieht man echt, dass wirklich ein Bedarf da ist für solche Lösungen und wie
00:26:34: sehr die Bürgerinnen und Bürger das auch schätzen.
00:26:37: Das geht ja auch viel schneller und mit der Post weiß man ja auch nie,
00:26:40: wird das dann so zugestellt oder nicht, da wird ja sehr viel verloren von dem her.
00:26:45: Also ich finde das auch super und außerdem habe ich es dann erledigt,
00:26:48: weil das ist eine Arbeit von vielleicht drei, vier Minuten oder so und sonst
00:26:52: Zettel ausdrucken, wie scanne ich den wieder ein oder zur Post gehen, das ist alles frech eigentlich.
00:26:58: So ungefähr. Cool, 80 Prozent, wow, das ist echt viel, super.
00:27:05: Ihr habt jetzt 25 Mitarbeiter ungefähr, ein Büro in Wien, ihr seid recht jung,
00:27:14: wie habt ihr Mitarbeiterführung gelernt oder wie hat sich das entwickelt?
00:27:19: Ja, also so eine Organisation bei uns, wenn man wächst, drei Gründer, das ist ständig im Wandel.
00:27:26: Wir sind jedes Jahr mehr bei uns im Team geworden, es war natürlich ein riesen Lernprozess für uns,
00:27:33: also Hintergrund von mir ist Informatik, habe die eine oder andere Vorlesung besucht zu Themen
00:27:40: über Unternehmensführung, aber das selbst zu machen und das in der Vorlesung zu hören,
00:27:46: kann ich mittlerweile sagen, sind zwei komplett verschiedene Sachen.
00:27:50: Wir haben einfach geschaut, mit den MitarbeiterInnen zu wachsen,
00:27:55: MitarbeiterInnen immer in Entscheidungen auch mitzunehmen, zu integrieren, Feedback einzuholen,
00:28:00: haben uns aber natürlich auch von anderen Unternehmen, die diese Schritte schon gemacht
00:28:05: haben, immer versucht, Erfahrungen auszutauschen und zu lernen, wie die das machen.
00:28:10: Wie war es zuerst einmal, jemanden kündigen für dich?
00:28:14: Das ist sehr schwer tatsächlich, also das hat uns auch sehr lang beschäftigt,
00:28:21: weil wir ein extrem gutes Team sind, wir arbeiten eng zusammen, wir bemühen uns wirklich zu schauen,
00:28:29: dass jeder motiviert ist, jeder Spaß hat, aber manchmal passt es einfach nicht und das muss
00:28:35: man natürlich auch akzeptieren, aber es ist natürlich etwas, was einen dann auch beschäftigt.
00:28:40: Wie hast du das dann für dich geregelt oder festgesetzt, ich muss das jetzt machen oder
00:28:47: wir müssen das jetzt machen?
00:28:49: Wir haben versucht, natürlich über längere Zeit, dass wir da gemeinsam einen Weg finden,
00:28:56: auch wie wir gemeinsam wachsen, wie die Person auch Spaß hat an dem, was sie tut und dem da
00:29:02: vielleicht auch ihre Erfüllung findet, aber wenn es irgendwann nicht passt, und ich glaube,
00:29:08: das haben auch beide Seiten gemerkt, also das war jetzt auch keine Überraschung für irgendjemanden
00:29:13: und dann muss man natürlich auch einfach irgendwann sagen, das passt nicht.
00:29:18: Oft ist ehrlich sein auch ein wichtiger Punkt.
00:29:20: Ja, ich glaube, es ist auch wichtig und bringt ja für niemanden was.
00:29:23: Genau, murksen, gerade in dem Geschäft, glaube ich, ist das auch schwierig, wenn man herummurkst.
00:29:29: Nein, wir sind auch sehr, sehr reguliert, also wir haben extrem hohe Ansprüche auch an dem,
00:29:36: was wir an Output liefern, an Software liefern, wir sind in einer regulierten Branche,
00:29:41: wir sind zertifiziert und da ist einfach wichtig, dass das alles zu 200% passt.
00:29:48: Ihr seid auch Mitglied im Senat der Wirtschaft, was ist dir an Netzwerken da auch wichtig?
00:29:54: Es ist ein extrem spannendes Netzwerk, wo man einfach auch mit anderen Unternehmerinnen,
00:29:59: Unternehmern in den Austausch treten kann und ich glaube, dass das extrem wichtig ist,
00:30:03: also man ist im Alltag ja doch immer nur in seiner eigenen Welt und vielleicht noch mit
00:30:09: ein paar ähnlichen Unternehmen oder Personen in Austausch etwas Ähnliches machen und ich glaube,
00:30:13: dass es extrem wichtig ist, dass man da breit voneinander lernt und einfach einmal sieht,
00:30:19: was machen andere und dadurch entstehen ja auch neue Ideen, neue Kooperationen,
00:30:24: Projekte und das ist extrem wichtig aus meiner Sicht.
00:30:28: Ja, ich finde, der Weitblick wird da auch ein bisschen gefördert, weil, wie du gerade gesagt
00:30:33: hast, wenn man immer in der gleichen Blase ist, dann wird man vielleicht doch ein bisschen
00:30:39: engstirniger, weil man halt gewisse Dinge nicht mehr sieht und dann kommt da vor einmal jemand
00:30:42: daher, der ganz was anderes macht und dann öffnet das schon den Blick wieder.
00:30:46: Ja, ganz genau.
00:30:47: Ich finde das auch toll, wenn man sich gut austauschen kann mit ganz anders Denkenden.
00:30:54: Genau, das ist glaube ich das Wichtigste, einfach mal eine andere Perspektive zu bekommen.
00:31:00: Jetzt muss ich noch einmal das Thema wechseln.
00:31:02: Die Politik ist ja auch so ein Thema, die ist uns immer wieder beschäftigt,
00:31:06: gerade jetzt mit dem Datenschutz und mit EU und Amerika.
00:31:13: Da hat sich gerade in den letzten Monaten durch Trump auch sehr viel irgendwie,
00:31:18: macht es für uns kritischer mit den amerikanischen Unternehmen, diese Interaktionen.
00:31:23: Wie siehst du das gerade so oder welche Aufgaben siehst du in der Politik hier für Sicherheiten
00:31:31: zu sorgen oder wie siehst du das?
00:31:35: Es braucht einerseits glaube ich noch sehr viel mehr Bewusstsein, also es ist schon viel
00:31:39: da, aber auch wirklich die Förderung auch von öffentlicher Stelle, europäische Lösungen
00:31:46: einzusetzen, also mehr Entwicklung in dem Bereich zu fördern und da wirklich eben Souveränität
00:31:54: in dem ganzen Bereich auch tiefer zu verankern.
00:31:58: Also wir haben mit RTS da kürzlich auch ein bisschen Probleme gehabt.
00:32:01: Wir haben Vimeo als Anbieter für unsere Mediathek und da hat es plötzlich, war dann alles schwarz
00:32:08: und da haben wir unglaubliche Probleme gehabt, um da einen Support zu bekommen.
00:32:15: Wie ist das bei euch?
00:32:17: Ja, das ist tatsächlich ein Feedback, das wir sehr oft bekommen, dass unsere Kunden
00:32:21: schätzen, dass man uns auch einfach mal anrufen kann, wenn man eine Frage hat und da jemand
00:32:25: abhebt, der kompetent die beantwortet, man nicht in irgendein Callcenter irgendwo landet
00:32:29: oder überhaupt keine Telefonnummer gibt und das ist, glaube ich, schon wichtig.
00:32:36: Also gerade für die Branche, wo zum Beispiel wir auch unterwegs sind, also im Enterprise-Bereich,
00:32:40: B2B, sensible, kritische Infrastruktur, da ist Vertrauen extrem wichtig und da ist,
00:32:47: glaube ich, auch wichtig, dass man jemanden hat, wo man auch einmal seine Fragen stellen kann.
00:32:51: Wir haben uns jetzt einen europäischen Anbieter gesucht.
00:32:54: Ja, perfekt.
00:32:55: Ich hoffe, das funktioniert besser.
00:32:58: Wie kann ich mir das vorstellen, ihr drei seid da auf ein Bier gesessen, habt beschlossen,
00:33:04: wir starten jetzt.
00:33:05: Wie war das am Anfang für euch und was mich vor allem interessiert, wie leicht oder schwer
00:33:11: war das, irgendwie so einfach zu starten?
00:33:14: Ja, es gibt das FH Startup Center, das ist ja von Startup Salzburg, die echt großartige
00:33:20: Arbeit in dem Bereich machen und damals war die Natascha Deutinger im FH Startup Center
00:33:25: und ich kann mich erinnern, wir waren an der Fachhochschule und haben das immer gesehen,
00:33:29: das war direkt am Campus und dann haben wir unsere Idee entwickelt und sind einmal hingegangen
00:33:33: und gesagt, Natascha, wir haben da eine Idee, haben wir das ja quasi voller Überzeugung
00:33:38: präsentiert.
00:33:39: Dann hat sie drei Fragen gestellt und wir sind einmal zurückgegangen und haben gesagt,
00:33:42: okay, da müssen wir noch einmal nachdenken.
00:33:44: Was war das für eine Frage?
00:33:46: Ja, einfach zum Geschäftsmodell, Markt, wie macht sie das, das, das und das waren einfach
00:33:50: für uns natürlich Fragen, die neu waren, also wir haben eine Idee gehabt und wollten
00:33:55: es umsetzen und haben uns dann noch einmal beschäftigt, haben das ausgearbeitet und das
00:34:00: waren einfach super, ja, die richtigen Fragen, sage ich mal, um das Ganze zu starten und
00:34:07: ja, dann haben wir angefangen, das zu entwickeln.
00:34:10: Die Herausforderung am Anfang ist einfach die Zeit, also du machst alles, du musst irgendwie
00:34:15: Unternehmen quasi anmelden, du musst Kunden gewinnen, du musst die Software entwickeln,
00:34:22: du musst die Buchhaltung machen, du musst Formulare ausfüllen, also da bist wirklich
00:34:26: mit allem Möglichen beschäftigt und ja, 2021 war unser Produkt dann wirklich fertig,
00:34:33: wir sind rausgegangen am Markt, haben mit zwei ersten Kunden gleich gestartet und das
00:34:38: war echt, da haben wir dann auch einmal gefeiert, weil das war wirklich eine zwei Jahre Arbeit,
00:34:43: die sich ausgezahlt haben und mit zwei ersten Kunden, die das auch gleich produktiv nutzen.
00:34:48: Also zwei Jahre ist schon eine ganz schön lange Zeit, hat man da einmal Durststrecke,
00:34:52: wo man sich denkt, für was mache ich das jetzt oder wird das was?
00:34:55: Es ist, glaube ich, immer, also man hinterfragt ständig, muss ich was anders machen, muss
00:35:01: ich was besser machen, was ist, wenn ich das mache, das ist echt ein ständiges Auf und Ab,
00:35:07: manchmal läuft es richtig gut, manchmal gibt es eine neue Herausforderung, das ist, ja, ich glaube, das ist...
00:35:12: Aber es ist ja irgendwie toll, oder, dass es da Unterstützung gibt, dass man da nicht ganz alleine gelassen wird,
00:35:17: weil ich glaube, daran scheitern dann auch viele, die haben eine Idee, starten dann irgendwie und
00:35:21: irgendwann stürzen sie wieder ab.
00:35:22: Gerade Salzburg hat da echt in den letzten Jahren wahnsinnig viel gemacht, das ist wirklich eine
00:35:27: großartige Leistung von der Politik, weil sie wirklich diese Unternehmensgründung für skalierbare
00:35:36: Startups auch an die Unis verankert haben, an die Hochschulen, dass es dort Ansprechpartner vor Ort
00:35:41: gibt, dass es ein Netzwerk gibt, dass Unterstützung da ist und da ist echt wahnsinnig viel passiert
00:35:46: und das ist auch sehr, sehr wichtig.
00:35:47: Danke dir für die Einblicke, es war jetzt wirklich spannend und ich bin neugierig, was wir noch alles
00:35:54: von euch zu hören bekommen in Zukunft.
00:35:56: Vielen Dank für das Gespräch und für die Einladung.
00:35:58: Gerne.
00:35:59: Gerade solche Entwicklungen zeigen, wie stark sich unsere Arbeitswelt verändert und wie wichtig es ist,
00:36:06: sich damit auseinanderzusetzen und genau solche Einblicke wollen wir beim RTS-Unternehmer-Talk
00:36:11: sichtbar machen.
00:36:12: Danke fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal beim RTS-Unternehmer-Talk.
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