RTS Unternehmertalk mit Mike Breneis

Shownotes

Wie kann Kirche heute aussehen, damit sie Menschen wirklich erreicht?

Mike Breneis von HOME Church Salzburg spricht mit Carmen Aichinger über die Entstehung einer neuen kirchlichen Gemeinschaft, moderne Formen des Glaubens und die Idee, Kirche stärker als offenen Begegnungsraum zu denken.

Themen dieser Folge:

• Wie HOME Church Salzburg entstanden ist • Warum die Pandemie zum Ausgangspunkt für etwas Neues wurde • Die Zusammenarbeit mit der Erzdiözese Salzburg • Die HOME Base im Salzburger Bärengässchen • Das Projekt rund um St. Martin in Liefering • Gemeinschaft statt klassischer Kirchenstrukturen • Finanzierung und wirtschaftliche Herausforderungen • Kirche als Community Center und Begegnungsort • Mike Breneis’ Weg aus der Musik- und Medienbranche • Warum er seinen sicheren beruflichen Weg verlassen hat • Familie, Berufung und persönliche Verantwortung • Wie sich Kirche und Gesellschaft verändern

Ein persönliches Gespräch über Glauben, Unternehmergeist und den Mut, bestehende Strukturen neu zu denken.

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00:00:05: Herzlich willkommen zum RTS Unternehmer-Talk. Wir sprechen hier mit Menschen, die neue Wege gehen,

00:00:12: oft in Bereichen, die uns alle betreffen, aber sich gerade stark verändern. Denn gerade dort,

00:00:18: wo Tradition auf neue Bedürfnisse trifft, entstehen spannende Entwicklungen. Heute

00:00:24: haben wir einen Gast, der genau hier ansetzt. Mit Home Church geht er neue Wege, wenn es darum geht,

00:00:30: Gemeinschaft, Glauben und Begegnung neu zu denken und Räume zu schaffen, die Menschen wieder

00:00:37: zusammenbringen. Ein Ansatz, der zeigt, wie sich auch gewachsene Strukturen weiterentwickeln können.

00:00:43: Lieber Mike Breneis, schön, dass du heute bei uns bist. Danke für die Einladung, liebe Carmen.

00:00:48: Home Church, was ist das überhaupt? Das ist eine gute Frage. Das hat sich entwickelt aus

00:00:56: einem Gottesdienst, der sehr klein war, den wir in einem Haus, in einem Gebetsraum gefeiert haben,

00:01:03: das an der Salzach im Bärengässchen liegt. Und dieser Gottesdienst ist dann immer größer geworden. Leute

00:01:10: sind von außen dazukommen. Das war eigentlich so ein interner Gottesdienst am Anfang. Und Leute

00:01:16: sind von außen dazukommen, haben das entdeckt, haben dann gesagt, da möchte ich mal dabei sein.

00:01:20: Das ist gewachsen. Wir sind dann in eine weitere Location gekommen. Dort sind immer mehr Leute

00:01:29: dazukommen. Dann kam Corona. Das ist dann alles online passiert. Wir haben vorher schon medial

00:01:35: was gemacht. Dadurch waren wir schon quasi da draußen auf YouTube, damals noch Facebook Livestream

00:01:42: bekannt. Und über das sind noch viel mehr Leute auf uns aufmerksam worden. Während der Corona-Zeit

00:01:49: haben viele Leute geschaut, unter anderem auch Salzburger und Umland-Salzburger. Und wie dann

00:01:57: quasi Gottesdienste wieder möglich waren, sind immer mehr Leute dazukommen. Wir haben dann nur

00:02:01: mehr Location gewechselt. Und aus diesem internen Gottesdienst ist sowas wie eine gemeindeähnliche

00:02:09: Versammlung, würde man sagen, sowas wie eine Kirche entstanden. Und das Ganze in der katholischen

00:02:14: Kirche, was sehr besonders ist, weil normalerweise kann das nicht entstehen. Normalerweise gibt es

00:02:19: eine Pfarre und es gibt die Erzdiözese, die diese Pfarrstrukturen verwaltet und einen Blick

00:02:24: darauf hat. Und wir waren so indirekt natürlich immer im Verbund mit der Erzdiözese. Das heißt,

00:02:31: die haben immer gewusst, dass es uns gibt und was wir da tun und haben uns auch beobachtet. Aber

00:02:36: eigentlich der finale Schritt war dann letztes Jahr, und jetzt komme ich auf den Begriff Home

00:02:40: Church zurück, letztes Jahr haben wir dann einen Verein mit der Erzdiözese Salzburg gegründet.

00:02:45: Also quasi ein kirchlicher Verein innerhalb der katholischen Kirche und haben jetzt noch einmal

00:02:52: den Ort gewechselt und sind jetzt in der Pfarre St. Martin im Stadtteil Liefering in Salzburg

00:02:58: zu Hause. Wie entsteht so eine Idee, dass man sagt, wir machen einen Gottesdienst irgendwo

00:03:04: zu Hause oder privat oder wie geht das? Nein, es war nicht privat. Es war ein, es gibt eben im

00:03:13: Bärengässchen 8 gibt es die Home Base. Das ist ein Haus, das den Barmherzigen Schwestern gehört,

00:03:20: ein ehemaliges Schwesternwohnheim und wie viele ja wissen, leidet ja nicht nur die Kirche oder

00:03:26: leiden ja nicht nur Pfarren darunter, dass immer weniger Leute dorthin gehen, sondern es sind ja

00:03:31: auch die Orden geschrumpft. Das heißt, die Barmherzigen Schwestern haben das Haus eigentlich

00:03:37: von den räumlichen Ressourcen her nicht mehr gebraucht und haben das zur Verfügung gestellt

00:03:43: einer Bewegung, die gesagt hat, wir möchten für junge Menschen was machen und daraus ist

00:03:50: dann die Home Base entstanden. Das heißt, in dem Haus leben 40 bis 50 Personen, da gibt es viele

00:03:58: Bildungsangebote, da gibt es Gästezimmer und so weiter und es gibt eben einen Gebetsraum unten,

00:04:02: den man vom Fahrradweg an der Salzach auch sehen kann und in dem Gebetsraum hat es dann

00:04:08: irgendwann einmal geheißen, wisst ihr was, jetzt machen wir einen Sonntagsgottesdienst,

00:04:11: warum nicht? Für uns, für die Leute, die da in dem Haus wohnen und nachdem die Türen aber

00:04:17: immer offen sind, sind Leute dazukommen, es gibt eine Kantine daneben und die sind dann auch zum

00:04:23: Essen geblieben und aus der ganzen Bewegung hat sich dann die Home Church entwickelt.

00:04:27: Eigentlich eine schöne Gemeinschaft, wenn man das so betrachtet. Ist da ein Pfarrer vor Ort,

00:04:33: der die Messe hält oder gibt es da allein Priester oder sowas in der Richtung?

00:04:37: Nein, in der katholischen Kirche gibt es, wenn man die Eucharistie feiert, also wenn man die

00:04:45: heilige Messe feiert, dann muss es einen Priester geben, ganz klar und bei uns hat es auch immer einen

00:04:51: Priester gegeben. Wir waren immer in Verbindung mit der Pfarre St. Blasius, die da am Beginn der

00:04:58: Getreidegasse ist, mitten im Herzen Salzburgs. Mit der Pfarre St. Blasius waren wir immer verbunden

00:05:03: und der Pfarrer von St. Blasius war unser Hauptpriester und es sind immer wieder andere

00:05:09: Priester gekommen. Der Weihbischof von Salzburg kommt fast jeden Donnerstag in der Früh und hält

00:05:15: eine Messe bei uns. Wie war das am Anfang, weil du gerade erzählt hast, die Kirche hat das beobachtet

00:05:22: sozusagen, war das auch ein bisschen kritisch, ist da etwas hinterfragt worden oder haben die

00:05:27: gleich geschrien, hurra, die machen jetzt was und das wird uns weiterbringen? Also Kritik gibt es

00:05:34: immer und überall, also das ist in der Kirche und außerhalb der Kirche so, egal was man macht. Es

00:05:40: gibt immer einen Kritiker, was auch super ist, weil man sich dadurch selber challengen muss

00:05:45: und hinterfragen muss und scharf bleiben darf in seiner Vision oder auch in der Hinterfragung,

00:05:52: wo will man denn hin und mit welchen Methoden will man wohin. Aber ich glaube, die Herangehensweise,

00:06:01: so wie ich die katholische Kirche in den letzten Jahren auch miterlebt habe oder die Institutionen

00:06:05: Kirche miterlebt habe, ist beobachten, schauen was da passiert, durchaus wohlwollend und nicht

00:06:16: unbedingt bremsend und zum richtigen Zeitpunkt dann ins Gespräch kommen und schauen, kann man

00:06:23: das dann in den bestehenden Strukturen irgendwie abbilden, was braucht man und so weiter. Also das

00:06:28: war meine Erfahrung vor allem jetzt in den letzten zwölf bis vierzehn Monaten, wo wir den Weg gegangen

00:06:34: sind der Vereinsgründung, war sehr viel Zuspruch und sehr viel sehr positive Begegnung mit den

00:06:42: Vertreterinnen und Vertretern der Erzdiözese da. Welche Menschen kommen da? Weil die die Kirche

00:06:48: möchte ja jünger werden, sind da viele junge Menschen dabei, auch ältere? Welche Klientel,

00:06:56: sag ich jetzt mal, kommt bei euch rein? Eigentlich ab dem Zeitpunkt, wo das kein

00:07:03: interner Gottesdienst mehr war, sondern so ein gewachsener Gottesdienst, ist es quer durchgegangen.

00:07:10: Also das war nicht nur Gottesdienst für junge Menschen, sondern da sind Familien gekommen,

00:07:18: der Gottesdienst ist vom Duktus her vielleicht schon ein bisschen moderner,

00:07:22: er versucht niederschwellig zu sein, accessible zu sein, er versucht Leute einzuladen,

00:07:29: aber eigentlich quer durch alle Schichten. Also man muss sagen, jetzt wenn man sich die

00:07:35: Homechurch anschaut, mittlerweile sind es ungefähr 200 Personen, die sich zur Homechurch zugehörig

00:07:41: fühlen und die in regelmäßigen Abständen kommen, manche jeden Sonntag, manche unregelmäßiger,

00:07:49: und die kommen wirklich aus allen Schichten quer durch. Und was ist da anders am Gottesdienst bei

00:07:56: euch, wie jetzt in der herkömmlichen Kirche, sag ich jetzt mal? Also ich glaube, die herkömmliche

00:08:02: Kirche hat auch schon sehr viele unterschiedliche Gottesdienste, und bei uns ist es vielleicht so,

00:08:11: dass es erstens einmal gibt es Community, also es gibt einfach das, was Pfarre früher war, gibt es

00:08:21: bei uns, und viele Pfarren haben einfach das Problem, durch die Überalterung und das Schrumpfen

00:08:29: kommen keine neuen dazu, und das durchmischt sich quasi so die Community nicht. Bei uns ist das

00:08:37: einfach entstanden. Dadurch, dass wir gewachsen sind, ist eine Community entstanden. Dadurch,

00:08:42: dass wir eigentlich von Anfang an immer Mittagessen gehabt haben nach dem Gottesdienst,

00:08:45: sind die Leute einfach geblieben. Und immer da, wo du es schaffst, dass der Küchentisch gedeckt ist,

00:08:53: und dass man am Küchentisch miteinander redet, da bleiben die Leute. Und da passiert Menschsein,

00:09:00: da passiert Dialog, da passiert Streit, und auch quasi die Fähigkeit entwickeln, diesen Streit

00:09:09: wieder beizulegen und sich zu versöhnen, all diese Dinge passieren automatisch.

00:09:17: Ich bin überzeugt, dass Gemeinschaft immer wichtiger wird, gerade in Zeiten von Digitalisierung. Man

00:09:22: ist noch mehr online verbunden, aber man braucht das, dass man mit Menschen Auge in Auge gegenüber

00:09:27: sitzt, dass man sich auch vielleicht berührt, oder dass man sich einfach erleben kann. Ich glaube,

00:09:33: dass das essentiell ist für die persönliche Entwicklung. Wie siehst du das?

00:09:37: Absolut. Wir haben vor allem dann bei Corona, und ich glaube, das ist ein No-Brainer, das haben wir alle

00:09:43: irgendwie erlebt, bei Corona war es dann plötzlich klar, dass da draußen ganz viele Leute sind, die

00:09:47: allein sind, die unter Einsamkeit leiden und die sich wünschen würden, Gemeinschaft zu leben. Ich

00:09:56: glaube, das ist mit ein Motivationsgrund für Menschen, die bei der Homechurch einmal vorbeischauen,

00:10:04: andocken, das einmal ausprobieren, weil da Gemeinschaft gelebt wird. Mittlerweile haben

00:10:10: wir einfach so eine kritische Masse überstiegen, dass das halt einfach jeden Sonntag passiert,

00:10:16: da kannst du dabei sein, das ist offen, da kann man vorbeischauen. Ich glaube, das ist ganz wichtig,

00:10:24: sowohl in der menschlichen Entwicklung für Kinder und für Jugendliche vor allem, ist Community

00:10:29: einfach ein wesentlicher Aspekt. Es ist vor allem auch für ältere Menschen ein Riesenthema, also

00:10:36: wie gehe ich damit um, wenn meine Familie quasi ausgeflogen ist und ich bin dann allein, ich bin

00:10:45: vielleicht nicht mehr so mobil, ich bin vielleicht nicht mehr so aktiv und kann aber meinen Alltag

00:10:50: irgendwo doch bewältigen. Das heißt, ich bin noch zu Hause und noch nicht in einem Pflegeheim oder

00:10:59: wo auch immer und wie kann ich dann meine sozialen Kontakte gut pflegen, wie kann ich mein Netzwerk

00:11:04: erweitern, wo kann ich dann vorbeischauen, wo ich eben Gemeinschaft lebe und wo ich mich mit Leuten

00:11:10: austauschen kann oder einfach nur ganz das Grundbedürfnis nach Connectedness, nach Beziehung

00:11:19: leben. Das ist ein Riesenthema in unserer Gesellschaft und dem kann Kirche begegnen.

00:11:24: Wie schaut das eigentlich wirtschaftlich oder finanziell aus? Zahlen da die Leute,

00:11:29: die da hingehen einen Mitgliedsbeitrag oder wird das von der Kirche finanziert? Wie läuft das bei

00:11:34: euch? Einen Mitgliedsbeitrag gibt es keinen, also wir sind zwar ein Verein, aber der Verein besteht

00:11:41: de facto aus dem Leitungsgremium, das sind ein paar Leute und ansonsten ist es ein sehr offenes,

00:11:52: durchlässiges, eine durchlässige Struktur. Man kommt und man geht, man bleibt, wenn man möchte

00:11:59: und die Leute, die dann bleiben oder manche auch, die uns nur besuchen, die kommen dann darauf,

00:12:06: dass es vielleicht wertvoll ist, dass es sowas gibt. Das heißt, wir sind fast zur Gänze von

00:12:12: Spenden finanziert, wobei ich sagen muss, dass jetzt auch in der Infrastrukturbewältigung, gerade

00:12:19: in den Schritten, die wir in den letzten Monaten gesetzt haben, die Erzdiözese uns hilft und

00:12:27: da auch unterstützt und mittlerweile haben wir, glaube ich, eineinhalb oder zwei Stellen,

00:12:35: die auch die Erzdiözese finanziert, beziehungsweise Leute, die bei der Erzdiözese

00:12:39: angestellt sind und dann bei uns arbeiten. Wir haben jetzt zwölf hauptamtliche Mitarbeiterinnen

00:12:46: und Mitarbeiter, nicht alle Vollzeit und von diesen zwölf sind aber zehn quasi durch Spenden

00:12:53: finanziert. Da kommt ganz schön viel Geld dazu, dass das geht. Jeder, das ist ja ein Unternehmer-Podcast,

00:13:00: also jeder, der Unternehmer ist, weiß, was zehn Mitarbeiter an Personalkosten verursachen und das

00:13:05: muss man einmal haben. Die Spender sozusagen, sind das auch Unternehmen oder Privatpersonen

00:13:13: oder alles bunt gemischt? Absolut bunt gemischt. Auch so unterstützende Menschen, Firmen, Familien

00:13:20: wahrscheinlich, die sagen, das gefällt mir, was die da machen, ich unterstütze das mit einem

00:13:26: Betrag. Also wir haben schon das eine oder andere Unternehmen drinnen, Stiftungen drinnen, die sich

00:13:34: es leisten können, mal größere Beträge zu bezahlen, aber ich habe in meinem Spendernetzwerk zum Beispiel

00:13:39: auch Studenten, die dann fünf oder zehn Euro pro Monat spenden oder vielleicht dann auch mehr.

00:13:44: Manchmal ist es auch sehr überraschend, zu erleben, wie großzügig Menschen sind, wo man

00:13:51: vordergründig glauben würde, dass sie sich nicht viel leisten können und doch ist es denen wert,

00:13:58: dass sie sowas unterstützen. Das ist super. Es ist auch eine Wertschätzung, wenn ich sage,

00:14:03: ich gebe, auch nach dem, was halt bei mir geht. Ich meine, es hat nicht jeder viel, aber manche

00:14:10: haben einfach ein bisschen was und wollen sich das trotzdem wegsparen, damit sie etwas unterstützen

00:14:17: können. Das ist echt schön. Das gibt dir auch viel Verantwortung, wie dieses Geld verwendet wird,

00:14:23: oder? Absolut. Wir haben nicht nur einen Verein, sondern auch eine gemeinnützige GmbH. Das heißt,

00:14:29: wir sind natürlich verantwortlich gegenüber den Spenderinnen und Spendern, was wir mit den Geldern

00:14:34: tun, wie wir die einsetzen. Da versucht man sehr, sehr transparent zu arbeiten und teilen das mit

00:14:41: unserem Spendernetzwerk auch ganz klar. Also Transparenz sozusagen, oder? Ja, das ist ganz

00:14:46: notwendig. Also Transparenz, Ehrlichkeit, Authentischsein, das ist absolut key,

00:14:53: wenn man mit Spendernetzwerken zu tun hat, weil wenn das Vertrauen fehlt, dann spendet

00:15:00: keiner. Das ist ja logisch. Ja, das stimmt. Zu dieser GmbH gehört auch die Dombuchhandlung.

00:15:06: Das ist nur meine andere GmbH. Wir haben eine gemeinnützige GmbH, wo wir quasi den ganzen

00:15:11: Community-Bereich abdecken, also Community-Building, alle Sozialprojekte sind in der gemeinnützigen

00:15:18: GmbH drin. Und dann haben wir noch eine gewerbliche GmbH, weil die Dombuchhandlung natürlich ein

00:15:23: Gewerbe ist. Ah so, ok, verstehe. Ihr habt gerade ein riesengroßes Projekt unterwegs, den Campus.

00:15:34: Campus St. Martin. St. Martin, genau. Das ist sozusagen in Liefering die Kirche St. Martin,

00:15:43: wo ihr da jetzt mehr oder weniger einen Umbau startet, eine große Veränderung. Erzähl

00:15:50: mal ein bisschen was darüber. Ja, das ist eben im Zuge dieser ganzen Veränderung vom

00:15:55: letzten Jahr mit der Vereinsgründung passiert, wo dann die Erzdiözese respektive der Pfarrer,

00:16:03: der für St. Martin zuständig ist, gesagt haben, schaut euch das dort einmal an, das wäre doch

00:16:10: ein guter Platz für euch. Und dann haben wir die Gespräche mit der Pfarre begonnen und der Status

00:16:15: jetzt ist, wir sind eingeladen dort zu kooperieren mit der Pfarre. Das heißt, die Pfarre existiert,

00:16:22: der Pfarrgottesdienst existiert, das Pfarrleben existiert und wir sind dort und machen jetzt

00:16:27: unseren Gottesdienst derzeit im Pfarrsaal und haben aber auch schon eine Kantine reingebaut,

00:16:33: wir haben die Untergeschossräumlichkeiten adaptiert, damit man dort halt arbeiten kann

00:16:39: und haben große Ideen und Visionen, die wir mit dem dortigen Pfarrgemeinderat diskutieren und

00:16:47: versuchen da etwas zu bauen oder etwas zu entwickeln, was der Pfarrer, aber vor allem auch der Menschen,

00:16:55: die dort leben, im direkten und indirekten Umfeld, also im besten Falle ein Stadtteilentwicklungsprojekt

00:17:02: sein kann. Also eine Art Stichwort wie der Community-Center-Gemeinschaft.

00:17:07: Das ist auch ein bisschen so eine Geschichte, wo man sagt, das ist ein Fahrzeugprojekt, das andere dann

00:17:13: nachmachen können, wenn es gelingt.

00:17:17: Das kann durchaus zu einem Leuchtturmprojekt werden. Wir haben interessanterweise letztes Jahr im Sommer

00:17:24: auch dann einen Forschungsauftrag gekriegt vom Bundesministerium für Innovation, Mobilität und

00:17:30: Infrastruktur. Schwierig zu merken, aber ich kriege es raus. Und der Forschungsauftrag ist dahingehend,

00:17:39: dass man sagt, es gibt im deutschsprachigen Bereich 13.000 Pfarren und die sind puncto Stadtentwicklung

00:17:47: und Stadtplanung und Raumplanung oft im Zentrum eines Ortes, beziehungsweise im Zentrum oder an

00:17:55: einem neuralgischen Punkt in einem Stadtteil. Und was macht man mit denen, wenn die Reduktion der

00:18:04: Kirchenbesucherinnen und Besucher weiter voranschreitet? Also Pfarren werden vielleicht dann irgendwann

00:18:11: einmal doch auch aufgelassen. Und was macht man dann mit den Gebäudestrukturen dort?

00:18:16: Wir hoffen natürlich, dass Pfarren nicht aufgelassen werden, aber trotzdem glaube ich, dass solche

00:18:21: Pfarrzentren, so wie in den 60er und 70er Jahren geplant, eigentlich was sind, wo viele Menschen,

00:18:29: die da rundherum wohnen, einen großen Profit haben für ihr Leben. Also Begegnungsorte, genau

00:18:35: diese Gemeinschaftsorte dann darstellen. Und deswegen haben wir da jetzt einen Forschungsauftrag

00:18:39: gekriegt, um herauszufinden, was macht man mit diesen Plätzen. Am Beispiel Pfarrzentrum St. Martin,

00:18:45: gebaut in den 70er Jahren. Und wie kann man das entwickeln, sodass es den Bedürfnissen

00:18:53: der Menschen heute dient? Ich habe mir das auf der Webseite noch ein bisschen angeschaut und da habe

00:18:58: ich gesehen, dass es drei Bauphasen gibt, mit verschiedenen Aspekten. Was ist schon passiert

00:19:05: und was geschieht als nächstes und was ist dann das Endziel von der ganzen Geschichte?

00:19:13: Also auf einer Website muss man immer groß träumen, damit die Leute merken, aha, da ist was dahinter.

00:19:19: Ich kann mir das sehr gut vorstellen, weil das genau das ist, was Menschen sich wünschen. Und

00:19:25: das, wo ich selber auch mit meinem Fitnesscenter für die Senioren so etwas aufbauen möchte,

00:19:31: da habe ich mir das gleich voll angesprochen, weil ich mir gedacht habe, ja, es braucht so

00:19:36: etwas für alle Altersgruppen, nicht nur für ältere Menschen, sondern auch, ich denke gerade

00:19:42: Jugendliche sind oft auch sehr allein. Keiner versteht mich. Und in einer Gruppe, das habe

00:19:47: ich selber als Jugendliche auch erlebt, habe ich mich nicht verstanden gefühlt von irgendwelchen

00:19:52: Erwachsenen. Und dann bin ich in die christliche Jugend gekommen und habe mir gedacht, wow,

00:19:56: lauter junge Leute und da kann man sich austauschen, da kann man reden. Das ist schon

00:20:00: wichtig für das Leben, finde ich. Absolut. Und darum möchte ich jetzt wirklich mehr wissen,

00:20:06: was sind eure Pläne für den Campus in Liefering? Also ganz kurz gesagt, diese drei Bauabschnitte

00:20:13: sind die Adaptierung der bestehenden Gebäudeteile, eine mögliche Aufstockung von dem Gebäudeteil,

00:20:21: wo jetzt der Pfarrsaal drinnen ist und eine mögliche Nachverdichtung auf einer grünen Wiese,

00:20:26: die hinter der Kirche ist und de facto in einem Bereich des Grundstücks ist, wo man eventuell was

00:20:33: bauen könnte, weil es in Wahrheit nicht straßenzugänglich ist. Das heißt, da könnte man

00:20:39: vielleicht noch einen Wohnbau machen. Das ist also die Grundidee. Jetzt ist es sehr schön,

00:20:46: dass ich über dieses Forschungsprojekt dann auch so ein bisschen in Kontakt gekommen bin mit der

00:20:51: Politik und mit der Stadtentwicklung in Salzburg. Und das ist insofern hochinteressant,

00:20:59: weil die Stadt Salzburg dort in dem Gebiet Liefering einige Projekte hat, wo sie sagen,

00:21:06: sie müssen da was machen in den nächsten Jahren. Stichwort Bessarabierstraße, alte Hochhausgebäude,

00:21:15: die einfach überhaupt nicht mehr den Standards von heute entsprechen. Und wenn du dann mit

00:21:19: Stadtentwicklern redest, dann sagen die, ja, also all diese existierenden und witzigerweise

00:21:26: auch geplanten Gebäude, denen fehlt eigentlich was. Und zwar genau der Community-Aspekt. Und

00:21:34: deswegen ist vielleicht das Projekt, das wir jetzt mit der Erzdiözese haben, da in St.

00:21:39: Martin jetzt nicht nur für die Pfarrer und für Menschen, die jetzt quasi in Glaubensthemen

00:21:45: andocken wollen, interessant, sondern auch für die Stadtentwicklung. Das heißt, wenn du dort ein

00:21:51: Community-Center baust, im besten Sinne, dann profitieren die Menschen, die dort wohnen und in

00:21:57: Zukunft auch dort wohnen werden, von so einem Platz. Das ist halt unsere Vision. Und wenn

00:22:03: dabei irgendjemand entdeckt, dass Glaube vielleicht tatsächlich auch was ist, was einen interessiert

00:22:11: und was eine gewisse Ressource darstellt, um sein Leben zu meistern, dann ist es super. Aber wie

00:22:17: gesagt, uns geht es nicht darum, Leute da in die Kirche zu bringen, sondern uns geht es darum,

00:22:23: einen Platz zu schaffen, wo man einfach mal nur sein kann und natürliche Touchpoints zu schaffen,

00:22:30: um das Wesen der Community und zukünftige Möglichkeiten, wie wir miteinander leben und

00:22:38: zusammenleben auszuloten. Das wäre einfach wunderschön, wenn das passiert. Ja, das wäre wirklich

00:22:43: wunderschön. Und ich glaube, das wird auch passend werden, weil wenn ich dir so zuhöre, dann merkt

00:22:50: man richtig, und du hast sicher auch viele Menschen, die mit dir gemeinsam an dem Projekt arbeiten und

00:22:56: das mittragen. Und da, glaube ich, entsteht richtig ein guter Drive, damit das wachsen kann und

00:23:03: entstehen kann. Ich bin echt schon gespannt, was uns dann alles erwartet in Zukunft. Ich werde das beobachten.

00:23:09: Ja, ich bin auch schon gespannt. Wir brauchen noch den einen oder anderen Spendeneuro, um das Ding zu rocken.

00:23:17: Die erste Ausbaustufe haben wir mit 3,8 Millionen einmal beziffert und wir gehen einmal von einer

00:23:26: Drittelfinanzierung zwischen Pfarre, Erzdiözese und der Homechurch aus. Das heißt, nach Adam Riese

00:23:32: brauchen wir mal eine gute Million und die müssen wir mal schaffen. Aber wir sind guter Dinge, dass wir es schaffen.

00:23:41: Gibt es da auch Interesse vom Land oder von der Stadt, dass die da sagen, wir investieren da auch was,

00:23:46: weil da ja Wohnbau auch entstehen soll und dass der Stadtentwicklung ja auch dient, wenn man so etwas macht?

00:23:51: Also es gibt inhaltlich definitiv Interesse. Also das war es ja aus ein paar Gesprächen, die wir schon geführt haben,

00:23:58: weil sie sagen, das ist eine spannende Ergänzung zu dem, was wahrscheinlich eh schon in der Pipeline drinnen ist.

00:24:08: Von Finanzierungsaspekte habe ich jetzt noch keine Signale gekriegt, ob da jemand einsteigen will.

00:24:13: Ich glaube, proaktiv würden sie das auch nicht machen, sondern sie denken, das würde mal die Kirche machen.

00:24:19: Wenn daraus ein PPP-Projekt werden kann, was spätestens wahrscheinlich bei der Ausbaustufe 2 zwingend notwendig sein wird,

00:24:31: dann sind wir natürlich total froh, wenn da jemand einsteigt und sagt, okay, passt, also die Vision teilen wir.

00:24:38: Und ich glaube, das muss man halt auch ganz klar sehen, es ist das Thema Kirche in den letzten Dekaden immer unpopulärer geworden.

00:24:49: In der jungen Zielgruppe wird das wieder ein bisschen entkrampfter und ein bisschen stressfreier.

00:24:57: Die gehen da mit einem anderen Meaning rein, die suchen nach Sinn, die suchen nach Werten,

00:25:02: die suchen nach Leitplanken in ihrem Leben, nach Stabilität und da kann Kirche durchaus eine interessante Antwort sein.

00:25:10: Und die haben all diese Sachen aus den 70er, 80er, 90er Jahren einfach nicht erlebt

00:25:15: und deswegen gehen sie wieder mit einer wertfreien Attitude da rein und schauen sich das mal an, ob Glaube für sie interessant ist.

00:25:24: Dass man da erzählt, dass es einige Influencer gibt, christliche Influencer, wir haben uns jetzt ein paar angeschaut,

00:25:31: die da sehr populär sind und die sehr, sehr viele Follower haben im deutschsprachigen Raum,

00:25:37: die mit Bibel, mit Gebet, mit allem, was halt da dazugehört, so richtig sagen, was bringt mir das, was macht das für einen Sinn.

00:25:46: Ich finde das echt spannend, weil zu meiner Jugendzeit war Kirche wirklich äußerst unpopulär.

00:25:52: Da ist man halt hingegangen, weil man müssen hat oder weil es üblich war, dass man das tut.

00:25:57: Aber so wie das jetzt vermittelt wird, so mit dem Herzen, der Glaube macht ja was mit uns, wenn wir den zulassen.

00:26:05: Und das muss nicht immer sichtbar sein in unseren Handlungen, also indem man in die Kirchen geht, sondern auch im täglichen Leben.

00:26:14: Und das kommt da sehr um bei den jungen Leuten. Das finde ich irgendwie voll spannend.

00:26:19: Absolut. Ich finde es super, wie wertfrei da diskutiert wird oft.

00:26:23: Ich finde es spannend, wie Medien damit umgehen, weil viele davon halt eher so schwarz-weiß berichten wollen

00:26:34: und eher so tendenziell in die Richtung und nicht in die.

00:26:38: Und das finde ich dann manchmal ein bisschen schade, weil es eigentlich den Kern des Ganzen negiert oder einfach ignoriert.

00:26:45: Und ich finde es hochspannend, dass da eine Generation heranwächst, die sich mit Dingen auseinandersetzt,

00:26:57: in einer Nicht-Schwarz-Weiß-Betrachtung, sondern mit einer natürlichen Neugier und aber auch mit einer Kritikfähigkeit.

00:27:08: Also die nehmen das jetzt nicht einfach so ungefiltert rein, sondern die checken schon ab,

00:27:14: ob das jetzt was Gutes ist oder nicht für ihr Leben oder für ihre Lebenssituation.

00:27:18: Und das finde ich gut. Also das finde ich sehr, sehr positiv.

00:27:21: Ich finde, aus dem Glauben kann man auch Kraft schöpfen für das tägliche Leben und für die Herausforderungen, die einem begegnen.

00:27:27: Aber auch für die Freuden gibt es schon einen differenzieren.

00:27:32: Absolut. Also ich stehe ja dafür, aber ich versuche natürlich auch so quasi die Mitterebene einzunehmen

00:27:40: und zu checken, okay, was passiert da auch gerade medial.

00:27:43: Also das beobachten wir insofern, weil wir halt auch medial sehr viel Arbeit machen.

00:27:48: Und dieses Phänomen Home Church Salzburg ja nicht nur ein lokales Phänomen ist,

00:27:54: sondern eben über unsere mittlerweile neunjährige Medienarbeit im gesamten deutschsprachigen Raum

00:28:00: rezipiert wird und wahrgenommen wird und wir da auch sehr viel Feedback von rund um und um kriegen.

00:28:06: Und deswegen beobachten wir schon, was da Social Media technisch abgeht.

00:28:11: Wo geht da die Reise hin und was erzählen denn die Influencer?

00:28:15: Und wie ist das Storytelling da und was kommt bei den Menschen an?

00:28:21: Und wo sind die Kritikpunkte auch von den Menschen?

00:28:23: Du Mike, wie ist eigentlich dein Werdegang?

00:28:26: Du bist sicher nicht so, wie du heute da sitzt, denkst, zur Welt gekommen.

00:28:32: Du hast eine Entwicklung durchgemacht, bis du da gelandet bist, wo du heute bist.

00:28:36: Deine Entwicklung hat in Oberösterreich begonnen, in einem kleinen Dorf.

00:28:41: Und was ist dann passiert?

00:28:44: Ja, also stimmt, ich bin christlich sozialisiert, so wie viele.

00:28:49: Also bei uns hat es einfach eine Kirche gegeben, da ist man hingegangen.

00:28:55: Und ich war dann auch Ministrant und war in der Jungschau und überall dabei.

00:29:01: Ich habe nie Ministrant sein dürfen zu meiner Zeit.

00:29:04: Weil ich war ja ein Mädel, da war das nicht gestattet.

00:29:07: Ja, ich bin älter als du.

00:29:09: Ja, du bist ein Bub.

00:29:11: Wir haben schon Mädels gehabt.

00:29:12: Ach so, nein, wir haben keine Mädels gehabt.

00:29:14: Aber wir haben einen sehr entspannten Pfarrer damals auch gehabt,

00:29:20: wo wir früher auch ausprobieren haben können.

00:29:22: Das war eigentlich sehr, sehr schön.

00:29:23: Also die Erfahrungen, die ich als Kind und als Jugendlicher gemacht habe, waren sehr positiv.

00:29:29: Aber es haben mich mehrere Gründe dann auch dazu geführt

00:29:33: und die Verlagerung des Lebensmittelpunktes während dem Studium nach Wien

00:29:39: waren dann letztendlich Auslöser dafür, dass ich aus der Kirche ausgetreten bin.

00:29:47: Also ich habe dann auch gebrochen mit meiner katholischen Herkunft

00:29:51: und war dann 20 Jahre lang komplett weg von dem Thema Glauben.

00:29:57: Also ich war sicher immer ein spiritueller Mensch,

00:29:59: aber habe mit der Institution katholische Kirche nichts mehr zu tun gehabt

00:30:03: und war dann auch quasi vom christlichen Glauben letztendlich weg.

00:30:09: Und während dieser 20 Jahre bin ich dann Schlagzeuger geworden.

00:30:14: Ich bin ins Medienbusiness eingestiegen, war in einem Musikverlag tätig,

00:30:19: dann in einem Musiklabel und später dann da bei einem Getränkevermarkter,

00:30:25: einem Salzburger Getränkevermarkter im Medienhaus tätig

00:30:29: und habe dort in der Musikabteilung arbeiten dürfen für das Medienhaus

00:30:35: und war da sechs Jahre.

00:30:37: Und in den sechs Jahren habe ich dann plötzlich ein Erlebnis gehabt in einem Gebetsraum,

00:30:43: wo ich für mich selbst noch einmal hinterfragt habe,

00:30:47: was eigentlich meine Herkunft da ist, was mein Glauben anbelangt,

00:30:51: und habe ein bisschen Frieden geschlossen mit dem Gottesbild von früher

00:30:54: und habe das wiederentdeckt und war eine total spannende, inspirierende Reise

00:31:00: und die haben mich so weit letztendlich auch in die Tiefe des christlichen Glaubens gebracht,

00:31:06: dass ich irgendwann einmal beschlossen habe, jetzt kündige ich.

00:31:09: Und jetzt mache ich das, was ich jetzt so in den letzten Jahren als Ehrenamtlicher gemacht habe,

00:31:15: mache ich jetzt hauptamtlich und habe mir mein eigenes Spendernetzwerk versucht zu bauen,

00:31:20: Menschen getroffen, viele Gespräche geführt und viele davon unterstützen mich nach wie vor

00:31:26: und begleiten mich jetzt die letzten sechs Jahre meines Lebens als Vollzeitmissionar,

00:31:32: sagt man so im Kirchensprech.

00:31:35: Spannend, genau.

00:31:36: Wie schwer oder leicht war das, das Geld aufzutreiben für dein tägliches Brot?

00:31:45: Ich stelle mir das jetzt ein bisschen nicht so leicht vor.

00:31:48: Ich habe einen Job, werde gezahlt, jedes Monat, 14 Mal vielleicht,

00:31:53: und dann wäre ich jetzt Missionar und bin angewiesen darauf,

00:31:59: dass Menschen mir jeden Monat regelmäßig Geld überweisen.

00:32:02: Unsere Leute haben auch alle einen Job und kriegen 14 Mal ihr Gehalt.

00:32:06: Das ist ganz normal angestellt.

00:32:08: Die Frage ist nur, wo kommt die Wertschöpfung her?

00:32:12: Wo kommt das Geld her, womit man Personalkosten bezahlt?

00:32:15: Und bei uns, wir haben uns nach der Decke gestreckt und versucht herauszufinden,

00:32:20: wie geht das? Wie können wir so etwas, was wir da machen wollen, finanzieren?

00:32:25: Wie geht das?

00:32:27: Und haben dann lernen dürfen von unterschiedlichsten Organisationen

00:32:32: im deutschsprachigen Raum und darüber hinaus, wie sie die strukturieren.

00:32:35: Wie kann man das bauen?

00:32:38: Und ein Modell ist, und das ist das, was wir dann auch übernommen haben

00:32:41: und versucht haben zu adaptieren für unseren Sprachraum,

00:32:45: ein Modell ist, dass ein Mitarbeiter sich ein Netzwerk sucht

00:32:50: aus Menschen, die sie oder ihn unterstützen.

00:32:55: Einerseits auch im Gebet, in einer persönlichen Anteilnahme,

00:33:02: also das sind auch Leute, die kriegen immer wieder Informationen von mir zum Beispiel,

00:33:06: die wissen, was mich beschäftigt, die kriegen Success-Stories erzählt

00:33:13: oder auch Struggles und die begleiten einen quasi und unterstützen auch finanziell.

00:33:20: Entweder mit Einmalspenden oder mit regelmäßigen Spenden.

00:33:23: Und so funktioniert das irgendwie.

00:33:26: Wir haben eigentlich in den letzten Jahren das Wachstum sehen dürfen.

00:33:31: Das heißt, es gibt viele Menschen, die sagen, das ist spannend.

00:33:35: Einerseits die Sache finde ich super und die unterstütze, da bin ich dabei.

00:33:41: Und gleichzeitig ist es halt sehr personenbezogen,

00:33:47: wenn jemand eine Person ganz besonders unterstützt und da halt quasi in einen Topf spendet

00:33:53: und aus dem Topf wird dann das Gehalt von der Person bezahlt.

00:33:57: Das ist so ein bisschen die Grundstruktur, die dahinter steht.

00:34:00: Gibt es bei dir eigentlich eine Familie, die du da mitziehst oder wie ist deine Frau da dazu?

00:34:06: Also meine Kinder sind schon groß, die sind 30 und 27.

00:34:10: Die ziehen sich schon selber.

00:34:13: Und meine Frau hat auch einen Job und die übersiedelt jetzt dann demnächst nach Salzburg.

00:34:23: Meine Frau trägt das natürlich mit, was ich da mache.

00:34:27: Und es ist eigentlich, unterm Strich kriegst du das ja nicht so mit,

00:34:30: weil ich habe einen Job wie jeder andere auch.

00:34:32: Ich kriege mein Gehalt am Ende des Monats und das bleibt dann immer gleich.

00:34:36: Also es ist nicht so, dass wir Spenden kriegen und die Spenden kommen auf mein Konto,

00:34:40: sondern die Spenden kommen in den Topf und daraus wird das Gehalt bezahlt.

00:34:44: Das ist ganz wichtig dazu zu sagen, weil gerade im christlichen Bereich

00:34:47: hat man es mit vielen jungen Leuten zu tun, die eher in die Selbstausbeutung gehen,

00:34:52: weil sie so passionate sind, weil sie so idealistisch unterwegs sind,

00:34:56: dass sie sagen, nein, ich brauche eh nichts.

00:34:57: Und dann muss dir einer sagen, nein, nein, stopp, stopp, du brauchst schon was.

00:35:00: Erstens mal, du wirst älter.

00:35:01: Zweitens mal, du wirst vielleicht irgendwann einmal Kinder kriegen, eine Familie gründen.

00:35:04: Du brauchst vielleicht irgendwann einmal ein Auto.

00:35:06: Du wirst nicht immer in einer Studenten-WG wohnen.

00:35:09: Salzburg ist ein teures Pflaster und so weiter.

00:35:11: Also du brauchst Geld zum Leben.

00:35:14: Und deswegen schauen wir eher, dass die Leute gut versorgt sind,

00:35:19: anstatt quasi in die Armutsfalle zu tappen.

00:35:21: Das widerspricht auch irgendwie dem, was man früher so gewohnt war von der Kirche.

00:35:26: Die sind alle arm. Nur das Notwendigste darf man haben.

00:35:29: Ungefähr das war ich so ein bisschen.

00:35:32: Oder dieses Armutsgelübde, die man so früher gehört hat.

00:35:36: Armutsgelübde ist noch einmal was anderes.

00:35:37: Dann entscheide ich mich ja dazu.

00:35:40: Und werde im Orden ja trotzdem auch vom Orden versorgt.

00:35:45: Also das ist schon einmal eine andere Kiste.

00:35:47: Aber das, was du meinst, das kriege ich schon mit.

00:35:52: Es ist gerade im christlichen Bereich schon oft so, dass die Leute glauben,

00:35:55: nein, nein, ich darf mir auch nichts leisten.

00:35:58: Und das ist spannend, wenn man dann in der Bibel nachliest,

00:36:03: dann fallen einem plötzlich ein paar Geschichten auf

00:36:07: und ein paar Aussagen auf, wo drinnen steht,

00:36:11: dass wir für die Fülle geschaffen sind

00:36:13: und dass Gott überschwänglich versorgt und, und, und, und, und.

00:36:18: Also da gibt es, ich will jetzt nicht zu sehr ins theologische Detail reingehen,

00:36:22: aber da gibt es ganz viele Dinge, wo ganz klar ist,

00:36:27: natürlich dürfen wir auch einmal essen gehen.

00:36:31: Ich darf auch eine Flasche Champagner einmal aufmachen und feiern.

00:36:34: Ganz normal. Alles ist gut.

00:36:37: In Maßen. Und ich glaube, das geht für alle Menschen.

00:36:40: Das geht nicht nur für mich, das geht für alle Menschen.

00:36:43: Ja, da hast du sicher recht.

00:36:45: Ich finde das so erfrischend, wie du das erzählst,

00:36:47: weil das verstaubte Denken über Kirche und Glaube,

00:36:52: also das entstaubt das jetzt gerade ein bisschen.

00:36:54: Das finde ich echt cool.

00:36:58: Wir haben auch im Vorgespräch ein bisschen über das Gebet gesprochen.

00:37:02: Gebet ist für dich ganz etwas Wichtiges. Warum?

00:37:08: Weil in der Spiritualität, in der ich jetzt lebe

00:37:11: und die ich für mich wiederentdeckt habe

00:37:14: und die ich pflege und die sehr wichtig für mich geworden ist,

00:37:17: ist Gebet eine ganz wichtige Ressource,

00:37:22: weil Gebet nichts anderes ist, als du steigst rein in den Dialog

00:37:27: mit dem, was du als Gott bezeichnen würdest.

00:37:33: Und dieses Gespräch mit Gott heißt in erster Linie einmal

00:37:38: in die Stille gehen.

00:37:41: Und das ist etwas, was man dann wiederum in anderen Glaubenskontexten

00:37:45: oder in der Esoterik ja schon kennt.

00:37:47: Also in die Stille gehen ist jetzt nicht einmal nichts Neues.

00:37:51: Und trotzdem ist es in die Stille gehen

00:37:54: und in eine hörende Haltung reinzugehen,

00:37:58: in eine Selbstwahrnehmung reinzugehen.

00:38:00: Das ist das, was man natürlich auch in der Welt da draußen,

00:38:03: die jetzt nicht unbedingt in die Kirche geht, kennt.

00:38:07: Und in meinem Fall oder im Fall von jemandem,

00:38:10: der sich als Christ bezeichnet,

00:38:12: geht man dann nicht nur in die Selbstwahrnehmung,

00:38:14: sondern versucht halt einfach auch,

00:38:17: bestenfalls in den Dialog reinzugehen mit etwas Göttlichem.

00:38:23: Mit dem Gott, den wir glauben, dass der wirklich existiert.

00:38:28: Und das ist halt immer die Frage.

00:38:30: Deswegen heißt es ja Glauben und nicht Wissen,

00:38:32: sondern es ist ein Glaube.

00:38:34: Und wir glauben oder ich glaube daran,

00:38:36: dass es diesen Gott tatsächlich gibt

00:38:39: und stell das auch immer wieder in Frage.

00:38:41: Das war jetzt ein richtiges Schlusswort.

00:38:45: Mike, ich danke dir sehr für die Einblicke,

00:38:47: für die Inspiration, für mich.

00:38:50: Da habe ich jetzt was zum Nachdenken.

00:38:53: Danke.

00:38:54: Danke dir.

00:38:55: Das Thema Gemeinschaft bekommt in unserer Zeit

00:38:58: eine ganz neue Bedeutung.

00:39:00: Und genau solche Perspektiven wollen wir

00:39:02: beim RTS Unternehmertalk sichtbar machen.

00:39:05: Danke fürs Zuhören

00:39:06: und bis zum nächsten Mal beim RTS Unternehmertalk.

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